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In schwierigen Zeiten anderen aufs Dach steigen
Nach 150 Bewerbungen selbstständig
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Der Hochbautechniker und Dachdecker Jörg Sanner (28) hatte auf dem
Arbeitsmarkt keine Chance. Jetzt versucht er sein Glück in der
Selbstständigkeit – aller Anfang ist schwer. Ein Aussteiger sucht wieder
den beruflichen Einstieg. So ähnlich könnte eine Stellenanzeige von Jörg
Sanner lauten. Der 28-jährige Dachdecker hat nach eigenen Worten 150
Bewerbungen geschrieben und 150 Absagen erhalten. | |
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„Es ist eben schwierig momentan“, sagt der junge Mann, der gebürtig aus
Höxter stammt und vor gut zwei Jahren in die Region kam, um sich am
Berufsförderungswerk in Bookholzberg zum staatlich geprüften Hochbautechniker
fortbilden zu lassen. „Als Dachdecker-Geselle mit abgeschlossener
Techniker-Ausbildung bin ich jetzt dem Meister gleichgestellt“, betont Sanner,
der in Unna aus seinem festen Job als Dachdecker ausgestiegen ist, um genannte
Fortbildung in Bookholzberg absolvieren zu können.
Seine neue Heimat hat Sanner mittlerweile in Rethorn gefunden. „Hier möchte
ich bleiben“, sagt der Handwerker, der im August dieses Jahres „aus der Not
heraus“, wie er sagt, den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. „Nach den
ganzen Absagen blieb mir ja nichts anderes übrig“, schildert Sanner seine
Situation. Und um erste Kunden zu gewinnen, wirbt er mit einem „kostenlosen
Dachcheck“ für seine Dienstleistungen, die von der Altbausanierung über alles,
was mit Dächern zu tun hat, bis hin zum Innenausbau und dem Aufstellen von
Carports reichen. „Als Dachdecker und Hochbautechniker kann ich ein breiteres
Spektrum abdecken als ein Dachdecker-Meister“, bekräftigt Sanner. Doch das macht
die Sache für den „Dach-Checker“ nicht leichter. „Wir haben hier zwar keinen
Hurrikane, aber die Stürme werden auch hier immer unberechenbarer“, steht auf
seinem „Gutschein“ über die Begehung des Daches, die Feststellung der
vorhandenen Materialien und die Ermittlung eventueller Schäden sowie die
Ausarbeitung einer schriftlichen Dach-Analyse. „Die Resonanz ist nicht groß“,
gibt Sanner zu, „dabei ist das Ganze völlig unverbindlich“, fügt er hinzu. Der
Rethorner weiß, dass momentan wegen des Wetters keine gute Zeit für Dachdecker
ist. „In diesem Job muss man eigentlich im Sommer das Geld verdienen, das man im
Winter nicht verdient“, sagt Sanner. „Dennoch werde ich weiter mein Glück
versuchen“, bekräftigt er, und fügt leise das Wörtchen „müssen“ an seinen Satz
an. Auf seine zahlreichen Bewerbungen weitere folgen zu lassen, ist aus seiner
Sicht wenig Erfolg versprechend. „Es gibt zu viele Ingenieure, die für einen
Techniker-Lohn arbeiten“, schildert Sanner seine Erfahrungen auf dem
Arbeitsmarkt. „Und wenn ich mich ganz normal als Dachdecker bewerbe, heißt es,
dass ich durch meine Techniker-Ausbildung überqualifiziert für den
Dachdecker-Beruf bin.“
Quelle:
Delmenhorster Kreisblatt (Text: Lars Laue, Foto: Rolf Tobis), 19.11.2005
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